Text 17

 Ein Tag im Jahr


Das Bild ist schwarz.

 In weißen Buchstaben erscheint der Filmtitel „Herbst“, dann wird das Bild wieder schwarz.    

   

 Eine Straße mit Einfamilienhäusern ist zu sehen. Ein Briefträger fährt mit einem gelben Fahrrad an einem weißen Haus vorbei. Die Kamera bleibt stehen. Laubblätter in gelben und roten Farbtönen fliegen durch das Bild, im Hintergrund das weiße Haus. Graue Wolken ziehen am Horizont vorbei. Die Haustür öffnet sich. Eine Hand stellt einen Besen vor der Tür ab. Eine blonde Frau tritt aus dem Haus. Sie trägt Hausschuhe, schließt ihren Mantel und greift den Besen. Sie schaut die drei Treppenstufen zum Fußweg hinab und schüttelt ungläubig den Kopf. Im Nachbarhaus öffnet jemand ein schmales Badfenster. Ein Mann mit dunklem Vollbart streckt seinen Kopf durch das Fenster und schaut nach links und rechts. Dann zieht er den Kopf durch das schmale Fenster ins Bad zurück und schließt es.

 Die Frau ist mit dem Fegen der obersten Treppenstufe fertig, kontrolliert ihre Arbeit und nickt zufrieden. Sie fegt das Laub von Stufe zu Stufe. Auf dem Fußweg angekommen, fegt sie das Laub zu einem Haufen zusammen. Sie stellt den Besen an die Wand und scheint etwas auf dem Boden zu suchen. Die Frau fasst sich an ihren Kopf, schüttelt ihn leicht, und geht über die drei gereinigten Treppenstufen zurück ins Haus.    

 Im Nachbarhaus öffnet jemand das schmale Badfenster. Der Mann streckt seinen Kopf durch das Fenster, schaut nach links und dann nach rechts. Sein dunkler Bart ist mit Rasierschaum bedeckt. 

 Es wird windig, alte Blätter fallen von den Bäumen, Laub raschelt. Der Briefträger fährt mit seinem gelben Fahrrad durch das Bild und durch den Laubhaufen, der vor den drei Treppenstufen liegt. Der Mann mit dem eingeschäumten Bart zieht seinen Kopf wieder zurück ins Bad und schließt das schmale Fenster im Nachbarhaus. 

 Der Wind hat sich gelegt.
Mit einem Handfeger und einem Kehrblech in den Händen, tritt die Frau aus der Tür des weißen Hauses. Sie schaut die drei Treppenstufen hinab und sieht das überall verteilt liegende Laub. Sie fasst sich an den Kopf und schüttelt ihn dabei leicht. Sie tauscht den Handfeger und das Kehrblech gegen den Besen und fegt erneut das ganze Laub zu einem Haufen zusammen. Von der obersten Treppenstufe gelangt sie zur mittleren Stufe und ist nach 3 Kehrzügen, so viele braucht sie für eine Treppenstufe, am Fußweg angelangt, auf dem sie einen Laubhaufen bildet. Eilig tauscht sie den Besen gegen den Handfeger und das Kehrblech zurück und bringt damit das Laub in die Tonne, die neben dem weißen Haus steht. Zufrieden betrachtet die Frau die sauberen Treppenstufen und geht ins Haus.
Im Nachbarhaus öffnet der Mann das schmale Badfenster und steckt seinen Kopf heraus. Der Bart ist ab. Er schaut nach links und dann nach rechts. Der Mann zieht seinen Kopf zurück ins Bad und schließt das schmale Fenster. 

 Am Horizont überholen sich die Wolken gegenseitig. Das Laub raschelt und alte Blätter fallen von den Bäumen.

Das Bild wird schwarz. In weißen Buchstaben erscheint der Filmtitel „Herbst“.

Regie
Sybille Lorenz 


Drehbuch
Paul Lemke

Kamera
Hartmut Gerber

Dramaturgie
Eleonore Winter

Ton
Jörg Becker

Schnitt
Matthias Thalbach
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